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© Dive & Dine

by Michael Goldschmidt 8.07

© Dive & Dine  Gasthof Schöne Aussicht

© Dive & Dine  Gasthof Schöne Aussicht

© Dive & Dine  Franz Glabischnig

© Dive & Dine  Gasthof Schöne Aussicht - Aussichtsterrasse

© Dive & Dine  Gasthof Schöne Aussicht

© Dive & Dine  Gasthof Schöne Aussicht

© Dive & Dine

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© Dive & Dine  Getreidemühle

© Dive & Dine  Sennerei auf der Alm

© Dive & Dine

© Dive & Dine  Alexanderhütte

© Dive & Dine  Murmele mit Heidelbeerfüllung

© Dive & Dine  Kaiserschmarrn

© Dive & Dine  Speckknödelsuppe

© Dive & Dine  Käsbrettl mit Hausbrot - alles aus eigener Produktion

© Dive & Dine  Ursula Glabischnig

© Dive & Dine  Kaiserschmarrn mit FRosinen auf dem Herd

© Dive & Dine  Kaiserschmarrn auf dem Herd

 

www.alexanderhuette.at
www.zurschoenenaussicht.at 
www.sennerei.at

Familie Glabischnig
A-9872 Millstatt
Tel.: 0043 (0)4766-2623

 

Dive & Dine Wertung

 4 Pfannen von 6

 

Millstättersee im Magazin UnterWasserWelt

Entspannende und prickelnde Taucherlebnisse, beides kann der Millstättersee in Kärnten bieten. Findet man ab Mitte Mai bis etwa Mitte September den Weg an den 12 Kilometer langen See und möchte man die bodenständige Kärntner Küche kennen lernen, dann ist der Berggasthof „Schöne Aussicht“ oder die Alexanderhütte mit angeschlossener Sennerei die beste Adresse den See auch von oben zu inspizieren. Ursula und Franz Glabischnig entführen Sie in eine etwas andere Welt, die Tradition und Moderne verbindet.

Was ist für Kärnten typisch, geht es ums Essen? Ja, sie ist deftig, diese Küche. Holzfäller hätten ihre Freude, doch ab und zu kann sich auch der Stadtmensch eine Kasnudel gönnen oder eine Speckknödl – Suppe. Und wenn’s ein wenig süßer sein darf, der Kaiserschmarrn oder alle Arten von süßen Knödeln buhlen um die Gunst der hungrigen Gäste. Gut, das bekommen Sie in vielen Gaststätten am Wegesrand, doch bei Ursula und Franz Glabischnig ist es doch etwas ganz anderes.
Sein Tun als Bauer, Gastwirt und Senner ist bestimmt von einer grundlegenden Neuorientierung, einer tief gehenden Philosophie, was ihn in den Augen der Nachbarn als Querkopf oder Sonderling darstellt. Nicht jeder, der hier ansässig ist und mit dem man über die vielen positiven Aktivitäten des Franz Glabischnig sprechen möchte, geht auf den Versuch ein, sich mitzuteilen. Man hält sich zurück, übergeht das Thema, ganz so, als hätte man seine Finger in eine Sache gesteckt, die einem als Gast, als Journalist nichts angehen. Und was ist sein Frevel? Er macht nichts, als dass er etwas macht, für seine Familie, seine Gäste, die Zukunft.. Da, wo viele seit Jahrzehnten die Hände in den Schoß gelegt haben, wo man auf ein göttliches, politisches oder gemeinsames Wunder hofft, dass die Erträge der Landwirtschaft und des Tourismus wieder in Zahlen messbar sind, die ein Ein- und Auskommen garantieren, begann Glabischnig zu handeln. Vor Jahrzehnten waren die Almen aufgeben worden. Zu beschwerlich wurde argumentiert, denn Dank Kunstdünger und Chemie gaben die talnahen Böden plötzlich so viel mehr ab, als man eigentlich benötigte, die Ressourcen der Almen tat man als unbrauchbar ab.
Und genau hier setzte vor über 10 Jahren das Engagement von Franz Glabischnig an, der auch seinen Kindern eine Zukunft bieten möchte, die nicht vom vorangegangenen Raubbau an der Natur gekennzeichnet ein Leben in Abhängigkeit von Chemie und Kunstdünger, womöglich noch nicht einmal mehr auf dem eigenen Hof beschert.
Mit viel Aufwand renaturierte er eine Alm in 1800 Meter Höhe über seinem eigentlichen Hof und Gasthof „Schöne Aussicht“ auf 1000 Metern Höhe, schaffte es Kräuter und Blumen aus lange Zeit im Boden „schlafender“ Samen wieder zur Entfaltung zu bringen, restaurierte eine Sennhütte und die daneben liegende Alexanderhütte und schuf ein Refugium für Tageswanderer und Übernachtungsgäste, die weit über dem Millstättersee, an der Baumgrenze, Natur, Ruhe und Erholung suchen.
Er ist einer der ersten Biobauern im Land, obwohl er den Titel nicht gerne hört. Einmal, weil es eigentlich keine Ausnahme mehr sein sollte bei der allgemeinen Produktion von Lebensmitteln, andererseits, weil er es noch nicht schafft durchgängig alle angebotenen Speisen ausschließlich aus Biorohstoffen herzustellen. Ohne Frage sind alle Milchprodukte, von den verschiedenen Käsesorten aus der eigenen Sennerei, inklusive dem für Kärnten typischen aber nur noch selten zu bekommenden Graukäse, über Almbutter, Topfen, Milch, Rahm und Buttermilch geschmackliche wie biologische Spitzenprodukte, auch Schweine-, Rind und Kalbfleisch gehören dazu, doch das selbst gebackene Bauernbrot oder der Teig für Nudeln (oder Nocken) müssen noch zugekauft werden.
Während auf anderen Hütten den ganzen Tag ein Generator ratternd den Strom erzeugt, beschränkt sich das auf der Alexanderhütte auf zwei Stunden pro Tag. In der Zeit ist die Melkmaschine in Betrieb und der Kessel in der Sennerei wird beheizt, parallel werden die Batterien geladen. Unauffällige Photovoltaik – Einrichtungen auf den Gebäudedächern liefern zusätzlich Energie, Warmwasser produziert die Sonne und regenerative Brennstoffe liefern nötigenfalls die Wärme für die Gasträume.
Was ihn zurzeit noch am meisten ärgert ist die Notwendigkeit mit einem dieselbetriebenen Fahrzeug die Hütte anzufahren, so bald es geht, soll das mit einem Elektrofahrzeug bewältigt werden.
Sein Erfolg gibt ihm Recht, die 14 Kühe auf der Alm liefern vorzügliche Milchqualität, die sich in allen Produkten unverwechselbar niederschlägt. Alles wird selbst vermarktet, an Wanderer verkauft, an Gäste, die gezielt das Gasthaus „Schöne Aussicht“ anfahren oder von dort weiter über eine Mautstraße zur 1600 Meter hoch gelegenen Schweigerhütte, wo das Auto geparkt werden kann und ein knapp halbstündiger Spaziergang, der auch kinderwagentauglich ist, auf 1800 Meter zum Ziel, die Sennerei, die Alexanderhütte führt. Montag und Mittwoch gibt es eine Führung durch die Sennerei und viele werden dort wohl das erste Mal im Leben mit den Geheimnissen der Käseproduktion in Berührung kommen. 
Der Biohof, die Gastbetriebe sind fest in Familienhand, das Land ist schon sehr lange im Besitz der Glabischnigs. Und wie es aussieht, wird es auch in der Weiterführung und dem Ausbau der Ideen von Franz Glabischnig keinen Einbruch geben, die Söhne werden den Weg weiterführen, doch bis dahin hat es noch ein wenig Zeit.

Dive&Dine besuchte die „Schöne Aussicht“, die Alexanderhütte und die Sennerei um das ursprüngliche Kärnten in einem kleinen Ausschnitt kennen zu lernen, typische Spezialitäten zu probieren, so, wie sie traditionell zubereitet werden. Die Ausgangsqualität der Gerichte ergänzte dabei den hohen Anspruch des Magazins, obwohl wir nicht mit einem typischen Küchenchef in Kontakt traten. Auf der Alexanderhütte ist Franz Glabischnigs Frau Ursula Herrin des Herdes, in der „Schönen Aussicht“ dessen Schwester. Keine gelernten Köche geben ihre Spezialitäten an die Gäste weiter, es ist die Mischung aus Erfahrung und Tradition die das bestimmt, was authentisch zubereitet wird. Man hält sich an die, man kann sagen, überlieferten Rezepte und spart jede Abkürzung aus, die moderne Küchen in der Schnellabfertigung durchziehender und hungriger Gäste an Möglichkeiten bieten.
Ursula Glabischnig lässt beim Kaiserschmarrn nur ein Rezept zu, das richtige, in dem frisch aufgerührter Eischnee unter den Teig gehoben wird Und man kann den Kaiserschmarrn mit und ohne Rosinen bestellen. Eine Variante des Kaiserschmarrn ist auf der Alexanderhütte das Murmele, der gleiche Teig, wie der des Kaiserschmarrn, nur unzerteilt, einmal zusammengelegt und mit Heidelbeeren gefüllt. Ob als Hauptgericht oder für die ganz wackeren als Nachspeise, Süßspeisenkenner werden verzückt.
Ein Muss ist eine Speckknödelsuppe zu probieren. Die gartenfrischen Kräuter in der Brühe, der kräftige Geschmack der kernigen Knödel, die fein abgeschmeckte Brühe, das passt zur Region, zur Aussicht tief hinunter zum See, der jetzt so klein wirkt.
Nicht zu überbieten sind die Nocken (Nudeln), die mit Frischkäse, Spinat oder Fleischragout gefüllt sind. Man sollte sie alle drei probieren. Dann ist man eh satt oder ein heimischer Kräuterlikör liefert abschließend noch den kleinen Höhepunkt. Wenn im Frühjahr die für die Nockenfüllungen benötigten Kräuter und der Spinat erntereif sind, erreicht man im Gasthaus tagelang niemand telefonisch, die ganze Familie ist exklusiv in der manuellen Produktion der Nocken eingespannt. Was in dieser Zeit hergestellt wird, sollte für die Saison genügen. Im großen Kühlhaus eingefroren warten die Nocken nicht sehr lange auf ihren großen Auftritt, ist der Vorrat aufgebraucht, dann gibt es in dieser Saison keinen Nachschub mehr. Auch ein wichtiger Teil der Philosophie des Biobauern Franz Glabischnig.
Doch ohne das Käsebrettl mit der Auswahl aller aktuell aus der Sennerei lieferbaren Sorten probiert zu haben, dazu das selbst gebackene Bauernbrot, kann man nicht von der Alexanderhütte oder von der „Schönen Aussicht“ weggehen. Wieder ein „Aha – Erlebnis“, so kann also Käse schmecken, der nie eine Plastikhülle gesehen hat, eine Kunststoffschale als Zwischenlager ertragen musste oder überhaupt nicht mehr im Handel zu bekommen ist, wie der körnige Graukäs, eine Spezialität der Nockberge. Und weil keine industrielle Produktion den Hintergrund bildet, kann jede Partie aus der Käserei ein wenig anders schmecken, bei den Frischkäsen wird Kren (Meerrettich), Knoblauch oder Kräuter hinzugefügt, das kann einmal etwas mehr, einmal etwas weniger sein.

So mit der traditionellen Küche in Kontakt getreten, muss man schon ein paar ausführliche Tauchgänge absolvieren, um das Plus an Kalorien zu kompensieren. Doch Vorsicht, wenn der Tauchcomputer noch eine Restsättigung anzeigt (Flugverbot), sollte man nicht auf die 1800 Meter hoch gelegene Alexanderhütte fahren und gehen, denn das könnte ein Entsättigungsproblem geben. Wer nur am Meer taucht oder nach dem Tauchen ein Gasthaus am Seeufer aufsucht, kennt diese Feinheiten der Deko nicht so gut. Im Zweifel ist die „Schöne Aussicht“ in 1000 Metern Höhe „sicherer“.

Interview mit Franz Glabischnig

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