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Werner Lau Divecenter

Index Guten Appetit

© D&D Esther Goldschmidt

Michael Goldschmidt

Liebe Leserinnen und Leser,

das Wichtigste im Urlaub ist das gute Gefühl, sich nicht um die täglichen Dinge des Lebens kümmern zu müssen, den Job und den Haushalt. Vor diesem Hintergrund freut man sich besonders auf gedeckte Tische, man muss nicht selber kochen, auftragen, abwaschen oder die Spülmaschine füttern. Ein schönes Gefühl, wenn dienstbare Geister für einen sorgen.
Fürs Wetter vor Ort kann niemand etwas, nicht immer strahlt die Sonne vom wolkenlos blauen Himmel, wie es in den Reiseprospekten immer vermittelt wird. Nicht immer ist das Wasser so klar, dass sich beim Tauchen eine unendlich schöne Rifflandschaft vor den Augen auftut. Und leider ist gar nicht selten das leibliche Wohl der Urlauber eher ein Prüfstand unter dem Motto: Wie schlecht darf es denn sein, bis selbst die bescheidensten Gäste laut schreiend in die Wüste abhauen und lieber bei Beduinen mit den Fingern aus einem Topf essen.
So eine worst case Erfahrung liegt hinter mir und ich staune immer wieder, zu welchen Mitteln Hotelmanager greifen, um ihre Gäste auf allen Ebenen mehr schlecht als recht zu bedienen. Immer im Blick des Resortbetreibers ist der eigene Gewinn. Und wenn das Areal des Resorts nur von Wüste umgeben ist, das an der versöhnlichen Seite ans Meer grenzt, kann der Gast nicht einfach auf den Tisch (erst mal einen haben...) hauen und sich einen anderen Ernährungstempel suchen, in dem die Figuren in der Küche nicht nur verkleidete Animateure aus Algerien sind, die das Wort „Kochbuch“ höchstens einmal in einem Science Fiction Film gehört haben mögen.
Um den Gast in Trab zu halten, ließ man sich in dem zitierten Resort viele Gemeinheiten einfallen. Beginnen wir mit der Menge der Plätze, die den Gästen zur Verfügung stehen. Es sind schlicht viel zu wenige. Man ging konzeptionell von einer heillosen Überbuchung der dargebotenen Tische aus. Da das Essen ausschließlich selbst vom Büfett geholt werden muss, nimmt man in diesem Haus am besten gleich ein Handtuch mit, um schon beim Anmarsch einen Platz zu reservieren. Sonst hängt man mit dem Besteck in der Hosentasche, dem Vorspeisenteller in der einen und das nach dem Anstehen in einer Schlange ergatterte Getränk in der anderen Hand wie Weltraumschrott im Orbit.
Hat man dann einen Platz gefunden, verkürzt die Konstruktion des Tisches massiv die Aufenthaltsdauer im Speisesaal, denn Streben zwischen den Tischbeinen lassen niemand auch nur für einen Hauch bequem oder gar länger sitzen. Dazu die ohrenbetäubende Akustik im Saal, die tinitusverdächtig nach unseren Normen das Tragen von Gehörschutz verlangen würde. Dazwischen streunen in makellosen weißen Hemden ganz wichtige Oberfiguren herum, die nichts anderes zu tun haben, möglichst schnell Geschirr, Besteck und Gläser abzuräumen, denn davon gibt es auch viel zu wenig.
Wäre wenigstens die Qualität des dargebotenen Speisenangebots ein Trostpflaster für die Unerträglichkeit des Ambientes, könnte man schweigen. Hier musste ich aber schreien. Und da war ich nicht allein. Doch was nutzt es, in dieser geographischen Lage können die Fäuste nur in der Hosentasche geballt werden, bis sie platzen....
Nun, wirklich nicht überall im Orient oder den Tropen setzt man sich bei seinem Urlaubsaufenthalt so gravierenden Selbstversuchen aus. Das haben eine Reihe von mir persönlich besuchte Destinationen bewiesen.
Wäre ich das erste Mal in einem Resort wie dem kurz skizzierten gelandet, nichts hätte mich dazu animiert, ein Kochbuch mit den Köstlichkeiten des Landes zu erwerben. Aber, es geht auch anders. Viele Urlauber besuchen jetzt im Sommer Österreich und genießen die typische Küche des Landes vor Ort. Und vielfach geben sich die Köche wirklich Mühe oder kochen genau das, was sie besonders gut können: Regionale Spezialitäten. Die Rezepte dafür wurden oft von Mund zu Mund überliefert und das zurecht. Manches ist der südbayerischen Küche ähnlich, manches ist einmalig und das vermittelt uns das Kochbuch “Die Seele der österreichischen Küche“. Ein wunderbarer Bildband von leckeren Rezepten begleitet, charakterisiert dieses ganz besondere Kochbuch wohl am treffendsten.
Sonst hätten wir ihm wohl auch kein Gewinnspiel gewidmet....

Herzliche Grüße und guten Appetit,

Ihr

Michael Goldschmidt

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