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Werner Lau Divecenter

Index Weinland Portugal
©  D&D

by Lina Leite www.visitportugal.com

 

 

Mehr über portugiesische Weine und die Weinstraßen durch verschiedenen Anbaugebiete unter www.vini-portugal.de

 

 

 

Bom Dia,

eigentlich lässt sich ganz schnell erklären, warum Weine aus Portugal so einzigartig und für Freunde guter Tropfen so interessant sind: Zum einen verfügt Portugal über eine beispiellose Zahl von autochthonen Rebsorten – also Sorten, die so nur hier und nirgendwo anders in der Welt wachsen. Modische Allerweltsweinsorten
wie Chardonnay spielen im Alentejo oder am Douro fast keine Rolle. Stattdessen stehen in unseren Weinbergen meist Traubenarten wie Trincadeira, Tinta Barroca, Alvarinho oder Touriga Nacional. Dass aus diesen Trauben in den letzten Jahren so etwas wie ein kleines Weinwunder entstand, ist aber auch auf den Ausbau in den Kellern zurückzuführen,
wo engagierte Winzer im Spannungsfeld zwischen regionalen Traditionen und modernster Technik ihren ganz eigenen, unverwechselbaren Stil gefunden haben. Sie sollten diese Gewächse einfach einmal verkosten!

Viel Spaß bei der Lektüre und Saúde wünscht Ihnen

Ihr Pedro Macedo Leão

Minho

Der Minho ist als „Garten Portugals“ bekannt. Doch die Region nördlich von Porto bis zur spanischen Grenze, mit Städten wie Viana do Castelo, Barcelos, Braga, Guimarães und Penafiel war schon immer auch Weinland. Die Fruchtbarkeit des Landes rührt hier in erster Linie von den großen Niederschlagsmengen her, die vor allem im Winter und Frühling über das Minho hereinbrechen und jede Art von Vegetation begünstigen.
Der Minho ist die Heimat des berühmten Vinho Verde, der hier auf rund 35.000 Hektar Rebfläche angebaut wird. „Grün“ ist der perfekt mit Fisch und Meeresfrüchten harmonierende Vinho Verde nicht wegen seiner Farbe, in der ihn so mancher Verkoster schimmern sehen mag. Seinen erstmals 1908 verwendeten Namen trägt der Vinho Verde wegen seiner großen Frische und wegen der Tatsache, dass er im Gegensatz zu vielen anderen portugiesischen Weinen jung getrunken wird und auch jung getrunken werden muss. Je nach Sorte der verwendeten Trauben ist er sogar ganz und gar nicht grün, sondern kräftig rot. Die wichtigsten Sorten sind Alvarinho, Arinto, Avesso, Loureiro und Trajadura (alle weiß) sowie Alvarelhão, Amaral, Borraçal, Vinhão und Espadeiro (rot).
Zeichneten sich die Vinho Verdes früherer Jahre vor allem durch ebensoviel Säure wie Kohlensäure aus, so hat sich der Stil in den letzten Jahren deutlich geändert. Moderne Vinhos Verdes haben mehr Frucht und Alkohol, die Kohlensäure ist erheblich eleganter eingebunden.

Trinktipp: Alvarinho Morgadio da Torre Sandeman, 2006

Douro

Die Douro-Region am Oberlauf des tief in die Schieferlandschaft eingegrabenen Flusses ist die älteste umgrenzte Weinbauregion
der Welt. In Portugal heißen Weine aus solchen Regionen DOC-Weine (Denominação de Origem Controlada). Seit mehr als 250 Jahren existiert das DOC-Gebiet am oberen Douro. Das Gebiet zwischen Pinhão, Peso de Régua und Vila Real ist von der Lage her identisch mit der DOC-Region Porto, deren Trauben jedoch ausschließlich für die Produktion des legendären, gleichnamigen Süßweins verwendet werden. Die bevorzugten Traubensorten im DOC Douro sind Tinta Barroca, Touriga Franca, Touriga Nacional, Tinta Roriz und Tinta Cão (rot) sowie Arinto, Síria, Fernão Pires, Terrantez, Semillon, Bical und Malvasia Fina (weiß).
In den letzten Jahren hat sich in der Douro-Region eine kleine Weinrevolution
ereignet. Eine neue Garde junger, innovativer Winzer mit einem sicheren Gespür für die Bewahrung der regionalen Traditionen und der klassischen Rebsorten hat für einen enormen Qualitätssprung gesorgt. Wegbereiter der neuen Tafelweine vom Douro war Dirk van der Niepoort vom gleichnamigen
Portweinhaus, der mit seinem wuchtigen roten Redoma, dem kraftstrotzenden
Batuta und dem unkomplizierten
Szeneliebling Fabelhaft eine ganze Reihe von neuen Kultweinen schuf; sein weißer Redoma kann es durchaus mit vielen Burgundern aufnehmen. Er stand auch bei den Lavradores de Feitoria Pate, einer 2000 gegründeten Gruppe von 15 Winzern, die ihre Weine gemeinsam in einer hochmodernen Kellerei ausbauen und gemeinsam vermarkten – je nach Preislage als Cuvées verschiedener Lagen und Erzeuger oder als hochpreisige Single Quinta-Weine.
So revolutionär viele Weine vom Douro heute schmecken – noch immer schwören viele Winzer gerade bei ihren besten Weinen auf das traditionelle Zerstampfen der Trauben in Lagares, großen Steinbottichen.

Trinktipp: Lavradores de Feitoria Três Bagos Grande Escolha, 2003

Trás-os-Montes

Trás-os-Montes ist die jüngste DOC-Region Portugals. Die seit Ende 2006 existierende Region liegt nördlich des Douro-Gebietes um die Ortschaften Chaves, Valpaços und Miranda do Douro. Naturgemäß hatten die hier produzierten Weine noch wenig Gelegenheit, international auf sich aufmerksam zu machen.

Trinktipp: Terra Boa Vinho Regional Trás os Montes Tinto, 2004

Beiras

In Mittelportugal (Centro) existieren drei DOC-Appellationen, die fast durchweg hervorragende, meist rote Weine produzieren, die überdies mit einer langen Lagerfähigkeit überzeugen.
Die DOC Bairrada – begrenzt durch die Serra do Caramulo und die Serra do Buçaco im Osten, den Fluss Vouga im Norden und den Mondego im Süden – produzierte bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts vor allem Massenweine.
Dass sich das geändert hat, ist vor allem dem Engagement des Winzers Luís Pato zu verdanken, der aus der hier vorherrschenden Baga-Traube ausgezeichnete Weine schuf. Bei den Weißen kommt am häufigsten die Traubensorte Bical zum Einsatz, die den Weinen tropische Fruchtaromen und eine stabile Säure verleiht. Sowohl aus Rot- wie aus Weißweinen wird in der Region Bairrada hervorragender Schaumwein hergestellt. Gerade der rote Espumante überrascht mit intensiver Frucht, kräftiger Säure und kräftigen Tanninen.
Noch in ihren Anfängen steckt die erst seit 2005 als DOC-Appellation anerkannte Region Beira Interior im Bergland um und nördlich von Castelo Branco. Große Investitionen in moderne Kellertechnik lassen allerdings für die nächsten Jahre einen erheblichen Qualitätssprung erwarten.
Die Weine aus der rings um Viseu gelegenen DOC-Appellation Dão gehören schon heute zur Spitze. Auf den Granitböden einer fruchtbaren Hochebene gedeihen mächtige, fast fleischig wirkende Rotweine sowie Weiße mit beachtlichem Lagerpotential.
Unter den Weinen Mittelportugals haben die sagenumwobenen Gewächse des Palasthotels
Buçaco eine Sonderstellung. Früher waren sie ausschließlich den Gästen des Hotels vorbehalten, inzwischen werden auch einige wenige Flaschen des jeweils aktuellen Jahrgangs verkauft. Einmalig ist aber die Sammlung an alten und verblüffend gut erhaltenen Jahrgängen (auch Weine aus den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts sind verfügbar), die man als Restaurantgast zum Essen verkosten kann.

Trinktipp: Alianca, Bairrada DOC Tinto Reserva. 2003

Estremadura

Auf einem rund 40 Kilometer breiten Streifen entlang des Atlantiks, der sich von Lissabon bis fast hinauf nach Coimbra zieht, verteilen sich die Rebstöcke
der neun DOC-Appellationen des Anbaugebietes Estremadura auf einer Fläche von rund 30.000 Hektar (DOC Encostas de Aire, DOC Alenquer, DOC Arruda, DOC Bucelas, DOC Carcavelas, DOC Colares, DOC Torres Vedra, DOC Óbidos, DOC Lourinhã). Das milde Klima – im Winter relativ mild, im Sommer nicht zu heiß und relativ feucht – ist ideal für den Anbau für Wein, vielleicht sogar allzu ideal, denn bis heute wird hier stellenweise mehr Masse als Klasse erzeugt. Rund 90 Prozent des hier gewonnenen Weins wird als Vinho Regional Estremadura vermarktet und fällt somit nicht unter die DOC-Regelungen – was nicht heißen soll, dass all diese Weine von schlechter Qualität sind.

Trinktipp: Conde de Vimioso Reserva Tinto, 2004

Ribatejo

Die Landschaft rechts und links des bei Lissabon in den Atlantik mündenden Tejos gehört zu den fruchtbarsten Regionen Portugals. Auf 25.000 Hektar entstehen im DOC-Gebiet Ribatejo elegante Rotweine mit feinen Beerentönen (meist aus den Rebsorten Aragonez, Baga, Camarate, Castelão, Preto Martinho,
Tinta Miúda, Touriga Franca, Touriga Nacional und Trincadeira) sowie fruchtbetonte, frische Weißweine mit feiner Säure (aus Fernão Pires, Arinto, Rabo de Ovelha, Tália, Trincadeira das Pratas, Verdelho und Vital). Über viele Jahrzehnte hinweg galt der Ribatejo als Gebiet, aus dem vorwiegend einfache Massenweine kamen. Junge, engagierte Weinmacher und ehrgeizige Winzer haben dieses Vorurteil besiegt und überzeugen heute mit oft hervorragenden und mitunter verblüffend preiswerten Weinen, für die sich mitunter auch heimische Rebsorten mit international bewährten Varietäten wie Cabernet Sauvignon, Merlot oder Pinot Noir kombinieren.

Trinktipp: Falua Duas Castas Tinto, Falua, 2006

Terras do Sado

Gleich südlich von Lissabon, auf der zwischen den Flüssen Tejo und Sado gelegenen Halbinsel Setúbal, wachsen auf rund 10.000 Hektar die Trauben für zwei hervorragende DOC-Appellationen: die DOC Palmela und die dem Likörwein Moscatel de Setúbal vorbehaltene DOC Setúbal. Für die kräftigen und facettenreichen Rotweine der DOC Palmela ist ein Anteil von mindestens 67 Prozent der Rebsorte Castelão (im Volksmund besser als Periquita bekannt) vorgeschrieben. Der für die hier vorherrschenden stark sandigen Böden besonders geeignete Castelão wird oft mit anderen Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Trincadeira oder Alicante Bouschet zu ausgewogenen Cuvées verarbeitet, ist aber auch in sortenreiner Form erhältlich.
Neben hervorragenden Rotweinen werden auf der Halbinsel Setúbal auch fruchtbetonte Roséweine und spritzige Weiße produziert – letztere meist aus den Rebsorten Fernão Pires, Arinto und Moscatel.
Bereits im 17. Jahrhundert gab es in dieser Region den Moscatel de Setúbal, einen Likörwein mit vielschichtigem Aroma aus Blumen und Orangen, Honig und Nüssen. Schon jung ist er ein toller Begleiter zu Desserts, sein wahres Potential aber zeigt er nach über 20 Jahren.

Trinktipp: Terras do Pó Tinto Reserva 2004, Casa Ermelinda Freitas, DOC Palmela

Alentejo

An Platz herrscht im Alentejo kein Mangel. So verwundert es nicht, dass in der riesigen, sanften Hügellandschaft zwischen der Algarve und dem Tejo, zwischen der spanischen Grenze und der 2007Atlantikküste südlich des Terras do Sado-Gebietes auf rund 22.000 Hektar Land Rebstöcke stehen. Was dem Reisenden kaum auffällt zwischen riesigen Getreidefeldern,
Viehweiden, Olivenhainen und Korkeichenwälder, deren Rinde natürlich für guten Wein als Verschluss unentbehrlich ist.
„Kalifornien Portugals“ wird der Alentejo gern genannt, und das aus zwei Gründen:
Hier scheint den ganzen Sommer über die Sonne mit großer Verlässlichkeit und Kraft, was sich nachhaltig auf die Konzentration der hier wachsenden Weine auswirkt. Zugleich aber wurden in den letzten zwei Jahrzehnten in der Weinwirtschaft des Alentejo die modernsten Strukturen Portugals geschaffen,
was sich sowohl auf die Qualität der Weine wie auch auf deren Vermarktung ausgewirkt hat. Vor allem die fruchtigen, vollen Rotweine mit bestens eingebundenen, weichen Tanninen genießen inzwischen weltweit große Anerkennung. Für die Produktion in der Appellation DOC Alentejo, die wiederum in acht Unterregionen unterteilt ist, werden vor allem die Traubensorten Aragonez (Tinta Roriz), Castelão, Trincadeira und Alicante Bouschet (rot) und Antão Vaz, Arinto und Roupeiro (weiß) verwendet. Apropos Weißweine: Die Gewächse aus dem Alentejo schmecken eher weich und rund und bringen eine oft an Zitrusfrüchte erinnernde, dezente Säure mit, die sie besonders in den heißen Sommermonaten süffig macht.

Trinktipp: Marques de Borba Reserva Tinto, 2003, João Portugal Ramos

Algarve

Lange Zeit ging es dem Weinanbau an Portugals Sonnenküste ausgesprochen schlecht: Weinberge wurden zugunsten neuer Hotelanlagen geopfert, die erzeugten Weine hatten überdies wenig Klasse. Erst seit der Jahrhundertwende lässt sich eine Gegenbewegung erkennen:
Neue Reben werden gepflanzt, vorhandene Weinberge umstrukturiert, Kellereien modernisiert. Derzeit wird an der Algarve auf rund 2.200 Hektar Wein angebaut, DOC-Appellationen gibt um Lagos, Portimão, Lagoa und Tavira. Die bevorzugten weißen Rebsorten sind Arinto, Síria, Malvasia Fina und Rabo de Ovelha, bei den roten dominieren Castelão, Negra Mole, Trincadeira und Syrah. Ein prominenter Anhänger des Algarve-Weins ist übrigens der britische Popsänger Cliff Richard, der in der Nähe von Albufeira ein eigenes Weingut besitzt und ab und zu selbst Hand an die Rebstöcke legt.

Trinktipp: Esplanada Tinto, DFJ Vinhos, Vinho Regional Algarve, Jahrgang 2003.

Madeira

Unter den Weinen von der Insel Madeira sind vor allem die gleichnamigen Likörweine bekannt, die über ein Alkoholvolumen von 17 bis 22 Prozent verfügen und über Monate oder gar Jahrzehnte bei Temperaturen um 50 Grad reifen. Daneben werden aber auch unter der DOC Madeirense meist unkomplizierte rote und weiße Tischweine produziert, die schon deshalb schwer außerhalb der Atlantikinsel angeboten werden, weil die erzeugten Mengen bislang sehr gering sind. Auch auf Madeiras Nachbarinsel Porto Santo wird Wein angebaut – und als leicht süßlicher „Vinho do Porto Santo“ weitgehend vor Ort getrunken.

Trinktipp: Vinhos Justino Henriques, Vino Madeira, Dry, 10 years old, Reserve

Açores

Selbst auf den Azoren wächst hervorragender
Wein. Mehr noch: Die Unesco hat die durch Mauern gegen den Wind geschützten Weingärten von Pico zum Weltkulturerbe ernannt. Sehr gut trinkbare, frische Weißweine und passable Rotweine kommen auch von der Insel Graciosa. Viele der Weine von den Azoren haben einen Alkoholgehalt von bis zu 18 Prozent und sind halbtrocken oder süß ausgebaut. Die wichtigsten
Rebsorten sind Arinto, Verdelho, Seara Nova, Rio Grande, Generoso und Terrantez (weiß) sowie Agronómica und Merlot (rot).

Trinktipp: Frei Gigante, Vinho Regional Açores, Jahrgang 2005, Branco
 

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