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Werner Lau Divecenter

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Index Restaurants Reinhardts
© D&D

by Michael Goldschmidt 12.06

Reinhardts im Schloss © D&D

Reinhardts im Schloss © D&D

Kati und Frank Reinhardt © UWW

Reinhardts im Schloss © D&D

Reinhardts im Schloss © D&D

Carpaccio von der Thüringer Bratwurst © D&D

Kürbiscremesuppe mit Milchschaumhaube © D&D

Thüringer Mutzbraten © D&D

Apfelrotkohl © D&D

Gefüllte Pasta auf Salbei-Käsesauce -vegetarisch © D&D

Warmes Pflaumenpüree mit Portwein und Walnusseis © D&D

Reinhardts im Schloss © D&D

Märchenlesung: Thomas Thieme © D&D

Auerstedt © D&D

 

Reinhardt`s im Schloss
Kati & Frank Reinhardt

Internationale und regionale Küche,
Große Weinauswahl, Kaffee- und Teespezialitäten, Kuchen und Eis
Geöffnet: Di-So 11.30-22.00 Uhr
Frühstück n.A. 8:00 bis 10.00 Uhr 
Telefon: (036461) 87762
Fax: (036461) 86487
www.toskanaworld.net

 

Dive & Dine Wertung

3 Pfannen von 6

 

 

 

Toskana Therme Bad Sulza

Um dem sinnlichen Genuss in der Toskana Therme in Bad Sulza eine kulinarische Abrundung zukommen zu lassen, bietet sich ein Essen im nur drei Kilometer entfernten Restaurant bei Reinhardt`s im Schloss Auerstedt an. Historisches Interieur, Sinn für Dekorationen und bester Service zeichnen diesen Landgasthof gehobener Klasse aus, der die Thüringer Regionalküche nicht ganz aus den Augen verloren hat und frische Produkte aus dem Umland für die Gestaltung seiner Speisen bevorzugt.

Das Reinhardt`s ist eine Art Geheimtipp in der Region, nachdem das Resort Schloss Auerstedt erst 2005 vom Betreiber der Toskana Therme mit 15 Ferienwohnungen und dem Restaurant eröffnet wurde. Die Maßnahmen zur Rückführung des Ritterguts zur ursprünglichen Pracht sind noch nicht abgeschlossen, so wird das Äußere des Haupthauses, in dem das Restaurant mit Küche und 5 ansprechend gestalteten Speiseräumen im Erdgeschoss untergebracht ist, in naher Zukunft restauriert. In Kellergewölben sind rustikale Räumlichkeiten verfügbar, die gerne auch zu Weinverkostungen genutzt werden. Die zu den Gewölben führenden steinernen Stufen sind tief ausgetreten, ein Zeichen für eine Jahrhunderte lange intensive Nutzung dieser Räume.
Im ersten Stock präsentiert das Reinhardt`s Salons, die mit ein wenig historischem Mobiliar und liebevoll restaurierten Stücken aus der Gründerzeit eingerichtet sind. Events, Familienfeiern oder Dichterlesungen lassen sich hier stimmungsvoll abhalten. Auch ein wenig augenzwinkernden Sinn für den Erhalt der jüngsten DDR – Vergangenheit zeigt sich bei den typischen Kohle – Kachelöfen, die unterschiedlichen Pastellfarbtönen gehalten noch in verschiedenen Räumen der ersten Etage anzutreffen sind.
Weit jünger als das umgebende Gemäuer sind die für das leibliche Wohl der Gäste verantwortlichen Kati und Frank Reinhardt. Kati Reinhardt, verantwortlich für den exzellenten Service und die Gestaltung der Tische und Räume stammt aus Bad Sulza, beim Küchenchef Frank Reinhard ist der fränkische Zungenschlag nicht ganz zu überhören, er fand seinen Weg aus der Porzellanstadt Selb hierher. Beide sind vom Fach und hatten zunächst den Service zum Beruf gemacht. Fachstudien in Berlin schlossen sich an, bis sie unerwartet auf neue Entwicklungen im privaten Umfeld reagieren mussten um nach Thüringen zu wechseln, nach Bad Sulza.

Es ist nicht nur die Möblierung der historischen Räume, auch die stilvolle Auswahl moderner Bilder und die Lichtinstallationen verbreiten eine angenehme, interessante Atmosphäre. Licht, das ist Kati Reinhardts Domäne, mit Licht die Räume charmant zu gestalten, das gelingt ihr ohne Zweifel, unterstützt durch viele Kerzen, die die Tische individuell beleuchten oder durch Lichtinseln Tiefe im Raum schaffen.
Frank Reinhardts Einfluss auf die Tischgestaltung zeigt sich bei der abwechslungsreichen, einmaligen Auswahl und Kombination des Geschirrs, für einen Servicefachmann mit Geburtsort in einer der führenden Porzellanstädte Deutschlands fast kein Wunder. Kräftige Farben und Goldtöne bestimmen die Platzteller und das Geschirr, das die gewählten Speisen präsentiert ist individuell auf das zu servierende Gericht abgestimmt. So verspürt das Auge beim Auftritt der Gerichte mit ihrem Teller kein Gefühl der Langeweile. Besonders gelungen ist die Wahl der tief gezogenen Suppenteller, die auch bei längeren Wegen aus der Küche die optimale Speisentemperatur nicht verlieren lassen.
Lange Wege von der Küche bis an den Tisch des Gastes können im Restaurant aufgrund der baulichen Struktur durchaus entstehen und daher hat Küchenchef Frank Reinhardt hier entsprechend Vorsorge getragen. 
Der Blick in die Speisekarte präsentiert auch ein wenig Bezug zur regionalen Küche und das Carpaccio von der Thüringer Bratwurst mit einer Honig-Senf-Creme-fraiche aus Hettstedter Senf an kleinem Salatnest (€ 7,00) ist so einmalig – eine Kreation des Küchenchefs – dass man es probieren muss. Schließlich möchte man doch auch an den Genüssen aus der Küche ein Feedback erhalten, in welchem Landstrich man sich aufhält. Und man kann die Idee der veredelten Darbietung einer Thüringer Bratwurst durchaus weiterempfehlen, zumal neben der in hauchdünne Scheiben geschnittenen Wurst auch der Hettstedter Senf seinen traditionellen Ursprung in der Gegend hat.
Die Kürbiscremesuppe mit Milchschaumhaube und Kürbiskernen, umrahmt von Kressesprösslingen (€ 3,80) hebt sich schon in ihrem besonders tiefen Teller vom Gedeck ab. Eine feine Geschmacksnote durchzieht die zur Jahreszeit passende Suppe, deren lockere Milchschaumhaube nur optisch das Geheimnis des erst wieder in den letzten Jahren in die Küchen zurückgekehrten Saisongemüses bewahrt.
Nach dem die Vorspeisen begleitenden Aperitif wird mit Blick auf die hiesige Braukunst ein helles Bier der Vereinsbrauerei Apolda gewählt. Ein paar hundert Jahre jünger als die Münchner Brauereien blickt es doch auf eine Tradition seit 1887 zurück. Optimal wäre die Trinktemperatur etwa 2 °C wärmer gewesen und nachgefragt stand die Kühlung tatsächlich noch auf dem für den Sommerbetrieb notwendigen Wert. 
Natürlich ist der Hauptgang vom einzigen Gericht mit regionalem Bezug begleitet, einem Thüringer Mutzbraten (ausgelöster Schweinekamm, mit Senf und Majoran bestrichen, in Schwarzbier eingelegt und geschmort), dazu Thüringer Kloß und Apfelrotkohl. Thüringer Klöße unterscheiden sich von den auch in Bayern bekannten Knödeln aus geriebenen Kartoffeln eigentlich nur durch ihre bodenständige Dimension, sie beherrschen eindeutig das Bild des Gerichts. Das Schwarzbier überträgt im Kern eine leicht bittere Note auf Fleisch und Soße und charakterisiert so den Mutzbraten (€ 11,80) gegenüber anderen traditionellen Schweinebraten - Rezepturen. Das Apfelrotkraut entstammt erfreulich keiner industriellen Produktion, das etwas größer gehobelte Kraut ist im Kontrast zum Bratenfond versöhnlich mild abgeschmeckt. Schweinebraten sind traditionelle Hürden für Küchen, die dieses Gericht in der Regel für den Mittagstisch, mit entsprechend nötigem Vorlauf der Zubereitung, disponieren. Abends von der Karte gewählt kann es oft nicht ofenfrisch aufgetragen werden, was zu leichten Abstrichen bei der Bratenqualität führt.  
Als einzige Alternative für vegetarische Ernährungsgestaltung bietet man im Reinhardt`s frische gefüllte Pasta auf einer Salbei – Käsesoße mit buntem Salat der Saison (€ 11,80). Füllung und Soße sind gut aufeinander abgestimmt. Die geschwungene flache Schale, in der das Gericht serviert wird, schmeichelt dem Auge, begrenzt jedoch auch die Möglich ein klein wenig mehr aufzutragen. Den Salat der Beilage, eingerahmt von Chikorre – Blättern mit einer Mischung aus Cocktail – Tomaten, Mais, weißen Bohnen, Gurke und Kressesprösslingen dominierte die zu große Menge eines Dressings mit einer Note aus Basilikum und Mandeln.
Den Abschluss des Dinners bildet ein warmes Pflaumenpüree mit Portwein verfeinert, dazu eine Kugel Walnusseis. Diese Kreation lässt den Abend genussvoll ausklingen und offenbart auch den „roten Faden“ der saisonalen Speisendekoration. Eine wie auch immer geformte Orangenscheibe verzierte das Capaccio, die Pasta wie auch die Süßspeise.
Ein ausgesuchtes Repertoire an Edelbränden und Wein bietet die Karte ebenso, man findet sogar aus nahen Anbaugebieten Weine, von Saale-Unstrut (Sachsen-Anhalt) oder Thüringen selbst entsprechende Trauben wie Traminer, Müller Thurgau oder Riesling vom Weingut Sonnedorf oder aus Auerstedt den Rotwein Regent, der eine unverwechselbaren charakteristischen Note hat und unbedingt probiert werden sollte. 
Der Service muss als sehr aufmerksam und zuvorkommend geschildert werden und ist zweifelsohne ein wirkliches Highlight in der regionalen Restaurantszene. Ambiente und Dekoration, die Lichtabstimmung und sanfte musikalische Hintergrundbegleitung schaffen eine angenehme Atmosphäre.
Kulturelle Erlebnisse bilden im Jahresverlauf zudem immer wieder besondere Höhepunkte bei Reinhardt`s im Schloss, so etwa eine Lesung des bekannten Bühnen- und Filmschauspielers Thomas Thieme aus besonders gruseligen Märchenbüchern der Gebrüder Grimm. Zwischen den Gängen eines dreigängigen Abendmenüs wechselten dazu die Gäste in die erste Etage um dort dem unheimlichen Vortrag des Künstlers zu folgen, der an diesem Abend erstmals auch den roten „Regent“ verköstigte und von dessen Würze angenehm überrascht worden war.

Das Reinhardt`s im Schloss nimmt zweifelsohne in dieser ländlichen Region eine besondere Stellung ein. Küche, Service und Ambiente versprechen besondere Erlebnisse für Gaumen und Auge. Nicht von ungefähr besuchen auch immer wieder Gäste bis aus Berlin oder Dresden das Restaurant, das sich in Thüringens Toskana langsam zu einem besonderen Treffpunkt entwickelt.

Das Rezept vom Küchenchef Frank Reinhardt

Gebratene Hirschrückenmedaillons auf einer Brombeersauce mit einem Maronenpüree und Rosenkohlgemüse

für 4 Portionen

8 Scheiben Hirschrücken a 90 g
2 Esslöffel Honig – Senf von der Hettstedter Mühle
1 Esslöffel Senföl von der Eberstedter Mühle
0,25l Regent vom Thüringer Weingut Sonnendorf
Salz, Pfeffer
20g Butter

Sauce:
0,5l Wildfond
200g Brombeeren
40g Honig
Salz, Pfeffer

Maronenpüree:
400g gekochte Maronen ( Esskastanien)
0,2l Gemüsefond
0,2l Sahne
0,1l Weißwein
Salz, Pfeffer
1 kleine Zwiebel
20g Butter

Rosenkohlgemüse:
300g Rosenkohl
1 kleine Zwiebel
50g Schinkenspeckwürfel
20g Butter
0,2l Gemüsefond
0,2l Sahne
0,1l Weißwein
Salz, Pfeffer, Prise Muskat

Aus dem Honigsenf, dem Senföl und dem Regent* eine Marinade herstellen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Hirschrückenscheiben 2 Stunden vor dem Anbraten in die Marinade einlegen.

Sauce

Den Wildfond und die Brombeeren aufkochen und pürieren. Danach durch ein Sieb gießen damit die Körner der Beeren im Sieb bleiben. Mit dem Honig, Salz und Pfeffer abschmecken und bei milder Hitze einreduzieren lassen.

Maronenpüree

Die Zwiebel in kleine Würfel schneiden in der Butter anschwitzen und mit dem Weißwein ablöschen. Die Maronen hinzugeben mit dem Gemüsefond und der Sahne auffüllen. Die Flüssigkeit zur Hälfte einreduzieren lassen, dann pürieren und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Rosenkohlgemüse

Den Rosenkohl putzen. In einem Topf die Schinkenspeckwürfel anbraten, die Zwiebelwürfel hinzugeben und glasig dünsten und mit dem Weißwein ablöschen. Den Rosenkohl hinzugeben und mit dem Gemüsefond und der Sahne auffüllen. Den Rosenkohl bei milder Hitze bissfest köcheln, mit Salz und Pfeffer und Muskat abschmecken.


Dann die Hirschmedaillons in einer Pfanne auf beiden Seiten anbraten und bei milder Hitze garen.

`Regent: Trockener, charaktervoller Rotwein aus dem Anbaugebiet Auerstedt

>>> lesen Sie weiter das Interview mit Küchenchef Frank Reinhardt

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