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Manchmal sind es die wirklich großen Zufälle des Lebens, die während einer Tauchreise ein Restaurant entdecken lassen, das man am Urlaubsort nicht im Traum erwartet hätte. Das Restaurant „Monte“ in Rovinj verwöhnt seine Gäste in einem stimmungsvollen Ambiente und mit kulinarischen Genüssen, die ihresgleichen suchen.
Um das Restaurant „Monte“ zu entdecken, bedurfte es zunächst zweier Abendessen in durchschnittlichen Touristenlokalen Rovinjs, die eine eher durchschnittliche Leistung der Küche mit der malerischen Aussicht auf Hafen und Altstadt kaschieren. So werde ich nie vergessen, wie in einem Fischlokal, an dessen Eingang ein Hummer auf Eis drapiert seinem Ende unter den Händen eines wenig inspirierten Küchenchefs entgegenzitterte, der Ober seinen Gästen bestimmte Gerichte auf der Speisekarte auszureden versuchte, weil der gewünschte Fisch „nicht gut sei“… Das kann man drehen und wenden wie man will und das einzige, zu dem ich mich dort zur Nahrungsaufnahme hinreißen ließ war ein gemischter Salat, der völlig unangemacht und trocken wie Stroh serviert wurde. Zweifelsfrei hätte mir das eine oder andere Tomatenscheibchen tolle Geschichten erzählen können, was es so alles erlebt hatte in den letzten Stunden, in denen es im Salat vor sich hintrocknete. Doch leider ist den Speisen nicht gegeben sich selbst zu äußern, aber man kann aufmerksam beobachtend das eine oder andere Drama unschicklich misshandelter Nahrungsmittel deutlich vor Augen sehen. Derart gestärkt oder auch geschwächt, schloss sich nach diesem Lokalbesuch ein nächtlicher Spaziergang an, der durch die malerisch engen Gassen der Altstadt von Rovinj führte, hinauf zur Kirche und dem höchsten Punkt des Städtchens und von dort hinab in Richtung Hafen. Nur wenige Schritte unterhalb St. Euphemia schmückt ein festlich eingedeckter Tisch, von Kerzenlicht beleuchtet und mit einem Weinkühler ergänzt, die Gasse, die hier eine kleine Linkskurve beschreibt. Ohne diese stimmungsvolle Dekoration wäre ich am „Monte“, Adresse Montalbano 75, glatt vorbeigeschlendert. Unspektakulär das Äußere, anziehendes Ambiente mit viel versprechendem Flair, gedämpftes Licht, Kerzen, Gäste, die höchste Zufriedenheit ausstrahlen, Der Zufall hatte zugeschlagen und den Ort des Dinners für den folgenden Abend bestimmt.
Ende September, in der Nachsaison also, ist es kaum notwendig einen Tisch zu reservieren, in den klassischen Urlaubsmonaten kann man kaum damit rechnen bei einem spontanen Besuch auch noch einen Tisch in dem auf 60 Gäste ausgerichteten Lokal zu bekommen. Allerdings ist das jährliche Zeitfenster um das „Monte“ genießen zu können auf die Monate zwischen Ostern und Anfang Oktober begrenzt, im Winterhalbjahr bleibt auch die Küche kalt. Die Architektur des Restaurants ist auf die warme Jahreszeit ausgelegt, die Längswand zur angrenzenden Gasse ist offen und Markisen überspannen einen Teil des Gastraums. Keine Angst, es schaut ihnen beim Essen niemand auf den Teller, das Restaurant liegt deutlich über dem Höhenniveau der abwärts führenden Gasse. Man fühlt sich sofort wohl am Tisch, leise Musik, Kerzenlicht, die Form der Gläser und die Tischdekoration, alles ist fein aufeinander abgestimmt. Höflich und zuvorkommend betreut der Ober seine Gäste, sein Deutsch ist für die normale Konversation ausreichend, spezielle Fragen kann er nur schwer verstehen. Doch das macht der Sache keinen Abbruch, denn es muss erst die große Hürde der Entscheidung über das Abendmenü getroffen werden, das wir zu dritt genießen wollen. Die Damen haben einen ausgesprochenen Hang zu Scampi, weshalb sie sich für eine ganz besondere und noch nie gegessene Delikatesse entscheiden: Geräucherte Scampi:
Geräucherte Scampi auf Pulpo – Kuskus mit rotem und schwarzen Kaviar (€ 10,-)
während ich mich für
Garnelentartar, auf frischen Gurken, Dressing von Soja und Sesamkörner mit Wasabi (€ 9,50)
entscheide.
Das Getränk des Abends ist schlicht der offene Weißwein des Hauses, dessen angenehme, frische Frucht ausgezeichnet die von Fisch geprägte Speisenfolge begleitet und die Wahl eines Flaschenweins aus dem sehr gut sortierten nationalen und internationalen Angebot überflüssig macht. Für € 11,50 erhält man einen ehrlichen und passenden Tropfen.
Als Vorspeise des Hauses wird, ein erster Hinweis auf die Lehr- und Wanderjahre des Küchenchefs, eine kleine Auswahl von Sushi und Sashimi gereicht. Ein Appetitanreger der besonderen Art. Der später noch gereichte Brotkorb mit einer Variation von Gewürzbutter ist – fast – zu viel…
Die Präsentation der Vorspeisen, anders kann man es kaum bezeichnen, ist eindrucksvoll. Das Design des weißen Geschirrs besticht, die Art, wie die Speisen angerichtet und mit Dekoration umschmeichelt werden, trägt die Handschrift des Küchenchefs, der diese Kunst zweifelsohne in einem hochkarätigen japanischen Restaurant erworben haben muss.
Die geräucherten Scampi verzücken die Damen am Tisch, zusammen mit der marinierten Makrele ist eine besondere Komposition gelungen, Dem steht das Garnelentartar auf frischen gurken in nichts nach. Nachdem die kalte Vorspeise so gelungen ist, kann sich der kulinarische Abend nur noch genial weiterentwickeln.
Eine wunderbare Verschmelzung der italienischen mit der japanischen Küche sind die
Roten Gnocchetti mit Drachenkopf im Traubenblatt (€ 9,-)
serviert in einer weißen, wie ein Halbmond stehender Schüssel. Dieser Auftritt ist theaterreif. Die Gnochi sind überzogen von einer mild gewürzten rot glänzenden Soße, als deren Farbgeber Rote Bete dient. Darauf der Drachenkopf. Ein wenig ist man zunächst gehemmt dieses Ensemble mit Messer und Gabel zu entweihen doch es siegt schließlich die Neugier auf das gaumenschmeichelnde Erlebnis. Gnochi und Fisch sind auf den Punkt gegart, die ausgewogene Abstimmung der Gewürze kann nicht übertroffen werden.
Erst beim Hauptgericht schleicht sich auch ein Fleischgericht ein:
Truthahnröllchen gefüllt mit Mozzarella und Pilzen, Thunfisch - Knoblauchsauce (€ 14,-)
dessen Erscheinungsbild wieder den japanischen Einschlag offenbart, die Truthahnröllchen stehen aufrecht auf einer langen, schmalen Schale, die Panade simuliert das für Sushi gebräuchliche Blatt Seetang. Zart das Fleisch, ausdrucksstark die kalte Knoblauchsoße, es werden Akzente gesetzt, die begeistern.
Ein weiteres Hauptgericht ist
Lachssteak auf Gemüse al la Julienne mit Balsamicosoße … (€ 14,-)
Hier geben sich Frankreich, Italien und Japan als Paten der Küche ein Stelldichein, was den Hintergrund des Küchenchefs nun in seiner ganzen Bandbreite wiederspiegelt. Gelungen.
Die abschließende
Creme Brulée (€ 4,50)
hätte nicht besser sein können.
Ohne Zweifel versetzte unsere Recherche für Dive & Dine den Service ein wenig in Unruhe, wurde doch jedes Gericht kaum serviert auch schon fotografiert. Auch die lebhafte Diskussion über die Speisen unterschied uns von der Art sonstiger Gäste, für die das Essen nicht so ausgeprägt im Vordergrund steht. Fast Panik löste der freundlich und von der Begeisterung über die Qualität und Darstellung der Speisen getragene Wunsch den Küchenchef kennen lernen zu wollen um ihm persönlich zu gratulieren. Vermutlich unterstellte man uns insgeheim in abwerben zu wollen und vertröstete uns damit, dass er schon gegangen wäre aber am nächsten Tag wieder anzutreffen sei. Aus zeitlichen Gründen konnten wir das Experiment eines Kontaktversuchs am nächsten Tag nicht einplanen, der einzige Wermutstropfen beim Abschluss dieses Dinner. Last but not least erhielten wir ob der Veröffentlichung dieses Artikels später eine sehr freundliche eMail aus Kroatien, mit der uns ein Bild des Küchenchefs und Besitzers des Monte, Danijel Dekic, übermittelt wurde. Fazit
Preis und Leistung sind fraglos einzigartig. Der Einfallsreichtum des Küchenchefs, die Dekoration der Speisen, die wunderbare Abstimmung mit Gewürzen und Kräutern - Auge, Mund, Nase und Gaumen hatten einen erlebnisreichen Abend. Selbst der einfache Hauswein passte gut ins Gesamtensemble des Menüs. Im Wohlfühlambiente des Restaurants arbeitete der Service aufmerksam und zuvorkommend.
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